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Abschlusszeit: Begleiten ohne Erwartungsdruck – warum junge Menschen mehr brauchen als gute Resultate

  • Autorenbild: Barbara Meier
    Barbara Meier
  • vor 43 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit
Jugendliche Person bereitet sich auf Prüfungen vor, während eine unterstützende Bezugsperson im Hintergrund Vertrauen vermittelt.

Abschlusszeit: Eine intensive Phase für junge Menschen

Prüfungen, Lehrabschluss, Matura, Qualifikationen oder Selektionsprozesse – für viele junge Menschen ist diese Jahreszeit geprägt von Herausforderungen, Erwartungen und wichtigen Entscheidungen.


Dabei geht es oft um mehr als nur eine Prüfung oder ein sportliches Resultat. Es geht um Zukunftspläne, persönliche Ziele und nicht selten auch um die Frage: «Bin ich gut genug?»


Viele Eltern und Trainer:innen möchten in dieser Phase bestmöglich unterstützen. Das ist verständlich und wertvoll. Gleichzeitig beobachte ich als Sport Mental Coach, Mentorin, Mutter und auch als Beobachterin im Alltag immer wieder, dass gut gemeinte Unterstützung ungewollt zusätzlichen Druck erzeugen kann.


Dabei ist Stress nicht grundsätzlich etwas Negatives. Im Gegenteil: Ein gewisses Mass an Anspannung hilft uns, fokussiert zu bleiben, Energie bereitzustellen und Leistung abzurufen. Die Herausforderung besteht darin, negativen Stress möglichst gering zu halten und den leistungsfördernden, positiven Stress zu unterstützen.


Genau hier spielen Eltern und Trainer:innen eine wichtige Rolle.



1. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Wenn wichtige Termine näher rücken, steigt häufig auch die Nervosität im Umfeld.


Plötzlich wird häufiger nachgefragt:

  • Hast du genug gelernt?

  • Bist du vorbereitet?

  • Wie läuft es bei den anderen?

  • Hast du wirklich alles gemacht?


Oft stehen dahinter Fürsorge und Interesse. Bei den Betroffenen kommt jedoch manchmal etwas anderes an: Kontrolle, Zweifel oder zusätzlicher Druck.


Auch Vergleiche mit anderen, ein starker Fokus auf das Ergebnis oder ungefragte Ratschläge können belastend wirken. Hinzu kommt, dass Erwachsene ihre eigene Nervosität häufig unbewusst übertragen.


Je wichtiger uns eine Person ist, desto grösser wird manchmal der Wunsch, ihr zum Erfolg zu verhelfen. Doch genau dieser Wunsch kann dazu führen, dass wir mehr Druck erzeugen, als wir eigentlich möchten.


2. Positiver Stress statt zusätzlicher Druck

Mentale Stärke bedeutet nicht, keinen Stress zu haben.


Mentale Stärke bedeutet, mit Herausforderungen konstruktiv umgehen zu können.


Ein gewisses Mass an Stress gehört deshalb zu jeder wichtigen Prüfung, jeder Qualifikation und jedem Selektionsprozess dazu. Wer nie gelernt hat, mit Druck umzugehen, wird später auch in Studium, Beruf oder Sport Schwierigkeiten haben, anspruchsvolle Situationen zu bewältigen.


Die Aufgabe von Eltern und Trainer:innen besteht deshalb nicht darin, jeden Stress zu verhindern.


Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, keinen zusätzlichen Stress zu erzeugen.


Das gelingt dann, wenn junge Menschen spüren:

  • Ich werde unabhängig vom Resultat unterstützt.

  • Ich darf Fehler machen.

  • Man traut mir etwas zu.

  • Mein Wert hängt nicht von einer Note oder einer Rangliste ab.


Genau dieses Vertrauen schafft die Grundlage dafür, dass positiver Stress seine Wirkung entfalten kann.


3. Begleiten ohne Erwartungsdruck – Was junge Menschen aus dieser Zeit wirklich mitnehmen

Vor einigen Jahren habe ich selbst die Matura und später das Jurastudium abgeschlossen. Wenn ich heute auf diese Phasen zurückblicke, denke ich erstaunlich selten an einzelne Prüfungsresultate.


Viel stärker in Erinnerung geblieben ist der Umgang mit den Herausforderungen.

  • Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen.

  • Ich habe gelernt, mich zu organisieren.

  • Ich habe gelernt, Wichtiges von Dringendem zu unterscheiden.

  • Ich habe gelernt, dass Schlaf, Bewegung, Erholung und Ausgleich keine Zeitverschwendung sind, sondern wichtige Erfolgsfaktoren.

  • Und ich habe gelernt, mit Unsicherheit umzugehen.


Vielleicht lohnt es sich deshalb, vor einer stressigen Prüfungs- oder Qualifikationsphase einmal bewusst das Gespräch zu suchen.


Fragen Sie Ihr Kind oder Ihre Athletin bzw. Ihren Athleten:


„Wenn du in zehn Jahren auf diese Zeit zurückblickst – woran möchtest du dich erinnern?“

  • An eine Note?

  • An einen Rang?

  • Oder daran, dass du gelernt hast, Herausforderungen anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und an dir zu wachsen?


Die Abschlussnote entscheidet selten über die Zukunft. Der Umgang mit Herausforderungen dagegen schon.


4. Wie Eltern und Trainer:innen unterstützen können

Elternteil oder Trainer:in führt ein wertschätzendes Gespräch mit einer jungen Person über Herausforderungen und Ziele.

Wer junge Menschen begleiten möchte, muss nicht für jede Situation eine Lösung haben.


Oft helfen bereits wenige Dinge:

  • Nachfragen statt annehmen


Fragen Sie nicht nur, wie die Vorbereitung läuft.

Fragen Sie auch:

„Brauchst du Unterstützung?“


Und noch wichtiger:

„Welche Unterstützung wünschst du dir?“


Die Bedürfnisse der betroffenen Person in den Mittelpunkt stellen


Nicht jede Person braucht dasselbe.


Was Ihnen früher geholfen hat, muss nicht automatisch auch Ihrem Kind oder Ihrem Athleten helfen.


  • Mehr Lob, weniger Kritik

Menschen entwickeln Selbstvertrauen nicht durch ständige Korrekturen.

Sie entwickeln Selbstvertrauen, wenn ihnen etwas zugetraut wird.

Loben Sie Einsatz, Ausdauer und Fortschritte – nicht nur Resultate.


  • Den Prozess wertschätzen

Das Resultat ist nur indirekt beeinflussbar.


Der Lernprozess, die Vorbereitung, die Organisation und die Haltung hingegen schon.


Wer den Fokus auf diese Bereiche legt, stärkt langfristig die Entwicklung.


5. Fazit

Prüfungen, Lehrabschlüsse, Matura, Qualifikationen und Selektionsprozesse sind wichtige Stationen im Leben junger Menschen.


Doch sie sind weit mehr als reine Leistungstests.


Sie bieten die Chance, Selbstvertrauen aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben zu entwickeln.


Eltern und Trainer:innen können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Nicht indem sie zusätzlichen Druck erzeugen, sondern indem sie Vertrauen schenken, zuhören und den Menschen hinter dem Resultat sehen.


Denn in einigen Jahren werden viele Noten, Ranglisten und Resultate längst vergessen sein.


Die Erfahrungen, das Selbstvertrauen und die persönlichen Entwicklungsschritte aus dieser Zeit bleiben jedoch oft ein Leben lang.


Ihr Kind, Ihre Athletin oder Ihr Athlet steht vor einer wichtigen Herausforderung?


Möchten Sie junge Menschen in Prüfungsphasen, bei Qualifikationen oder auf dem Weg zu wichtigen sportlichen Zielen mental stärken?


Gerne unterstütze ich Jugendliche, junge Erwachsene, Sportler:innen sowie deren Eltern und Trainer:innen mit individuellem Sport Mental Coaching und Mentaltraining.


Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme über www.mentalbereit.ch.

 
 
 

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Barbara Meier

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