Mentale Erholung im Sommer: Warum die Sommerpause dein grösster Leistungsboost sein kann
- Barbara Meier

- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit

Die Saison ist vorbei. Das Training wird reduziert oder fällt für einige Wochen ganz weg. Endlich Zeit für Ferien, Familie oder einfach einmal für etwas anderes.
Und trotzdem fühlen sich viele Sportler in dieser Phase erstaunlich unwohl.
Vielleicht kennst du diesen Gedanken:
"Wenn ich jetzt pausiere, verliere ich alles, was ich mir aufgebaut habe."
Genau diesen Gedanken hatte ich auch schon.
Als ich mit dem Winterschwimmen begann, nahm ich mir vor, jeden Tag in den See zu steigen. Ich hatte beinahe Angst, einen Tag auszulassen. Die Sorge war da, dass ich den Einstieg nicht mehr schaffen würde, wenn ich einmal unterbreche.
Im ersten Winter fuhren wir statt in die Skiferien für zehn Tage in die Wärme. Für mich war damals klar: Nach diesen Ferien werde ich nie mehr freiwillig ins kalte Wasser steigen.
Und dann kam die Rückkehr.
Ich ging zum See, stieg ins Wasser – und war überrascht. Es funktionierte. Die Pause hatte nicht alles zerstört. Heute gehe ich nicht mehr täglich schwimmen, sondern zwei- bis dreimal pro Woche. Und es funktioniert genauso.
Diese Erfahrung erinnert mich immer wieder an viele Sportler:innen, die ich begleite. Die Angst vor der Pause ist oft deutlich grösser als die tatsächlichen Auswirkungen der Pause. Genau deshalb lohnt es sich, die Sommerpause nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu betrachten.
Warum mentale Erholung im Sport oft schwerer ist als Training
Training gibt Struktur.
Man weiss, wann man aufsteht, wann man trainiert, wann Wettkämpfe stattfinden und worauf man hinarbeitet.
Gerade leistungsorientierte Sportler:innen leben oft jahrelang in diesen festen Abläufen.
Kommt dann die Sommerpause, fällt plötzlich ein grosser Teil dieser Struktur weg.
Viele erleben dadurch eine gewisse Unsicherheit. Nicht unbedingt, weil sie körperlich nicht trainieren dürfen, sondern weil ein wichtiger Teil ihres Alltags fehlt.
Ähnliches beobachte ich bei verletzten Sportler:innen. Die Verletzung selbst ist oft nur eine Herausforderung. Die andere ist der Verlust der gewohnten Routine.
Deshalb bedeutet mentale Erholung nicht, einfach nichts mehr zu tun.
Es geht vielmehr darum, die bestehende Struktur bewusst anders zu füllen.
Vielleicht mit Familie, Freunden, einem anderen Sport, neuen Erfahrungen oder bewusst eingeplanten Erholungsmomenten.
Wer Struktur komplett verliert, fühlt sich oft orientierungslos. Wer sie bewusst neu gestaltet, kann die Pause als echte Erholung nutzen.
Wenn nicht der Körper, sondern der Kopf eine Pause braucht
Körperliche Müdigkeit erkennen die meisten Menschen relativ schnell.
Mentale Erschöpfung zeigt sich oft subtiler.
Vielleicht fällt es plötzlich schwer, morgens aufzustehen. Vielleicht fehlt die Freude an den gewohnten Routinen. Vielleicht hinterfragst du immer häufiger, weshalb du diesen Aufwand überhaupt betreibst.
Manche Sportler:innen werden gereizter. Andere verlieren ihre Motivation oder fühlen sich unverstanden.
Es gibt keine allgemeingültigen Anzeichen. Jeder Mensch reagiert anders.
Was ich jedoch häufig beobachte: Wenn die Motivation nicht mehr genügend stark schiebt und das Ziel nicht mehr genügend klar zieht, werden Hindernisse plötzlich viel grösser.
Probleme, die früher lösbar erschienen, fühlen sich dann überwältigend an.
Genau deshalb kann eine Sommerpause wertvoll sein. Sie schafft Raum, um nicht nur den Körper, sondern auch die eigenen Gedanken wieder zu sortieren.
Falls du dich vertieft mit Erholung beschäftigen möchtest, findest du im Blogartikel „Regeneration im Sport“ weitere Gedanken dazu, weshalb Erholung ein entscheidender Teil von Leistung ist.
Die Sommerpause als Chance für neue Klarheit

Viele Sportler:innen nutzen die Pause, um über Trainingspläne oder kommende Wettkämpfe nachzudenken.
Ich würde noch einen Schritt weitergehen.
Nutze die Sommerpause, um dich an dein Warum zu erinnern.
Warum investierst du so viel Zeit in deinen Sport?
Was motiviert dich, auch dann weiterzumachen, wenn es schwierig wird?
Und welches Ziel möchtest du wirklich erreichen?
Wer diese Fragen beantworten kann, schafft eine wichtige Grundlage für die nächste Saison.
Denn Hindernisse werden wieder kommen. Rückschläge werden wieder kommen.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Schwierigkeiten auftauchen.
Die entscheidende Frage ist, ob du weisst, warum du trotzdem weitermachen möchtest.
Interessant ist dabei auch, dass mentale Leere nicht nur nach schwierigen Phasen auftreten kann. Manchmal entsteht sie sogar nach grossen Erfolgen. Mehr dazu erfährst du im Blogartikel „Mentale Leere nach grossen Erfolgen“.
Reflexionsübung für deine Sommerpause
Nimm dir zehn Minuten Zeit und beantworte folgende drei Fragen:
Warum betreibe ich meinen Sport?
Welches Ziel möchte ich in den nächsten zwölf Monaten erreichen?
Welche drei Hindernisse könnten auf dem Weg auftauchen – und wie möchte ich damit umgehen?
Schreibe deine Antworten auf.
Nicht perfekt. Nicht ausführlich.
Einfach ehrlich.
Oft entsteht aus diesen wenigen Minuten mehr Klarheit als aus stundenlangem Grübeln.
Fazit
Mentale Erholung bedeutet nicht Stillstand.
Sie bedeutet, bewusst Abstand zu gewinnen, neue Perspektiven zu entwickeln und die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen.
Die Sommerpause ist keine Bedrohung für deine Leistung.
Sie kann genau der Leistungsboost sein, den du brauchst.
Wer seinem Kopf die gleiche Aufmerksamkeit schenkt wie seinem Körper, startet häufig stärker, klarer und motivierter in die nächste Saison.
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