Fokus halten trotz Prüfungsstress: Vom Lernmodus in den Leistungsmodus
- Barbara Meier

- 5. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

„Ich habe gelernt – aber im entscheidenden Moment war alles weg.“
Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit mit Studierenden immer wieder. Die Weihnachtsferien wurden genutzt, der Stoff wurde durchgearbeitet, vieles sass. Und trotzdem: In der Prüfung fehlt plötzlich der Zugriff auf das eigene Wissen. Nicht, weil zu wenig gelernt wurde – sondern weil der Kopf blockiert.
Gerade zu Beginn des Jahres stehen für viele Studierende Zwischenprüfungen an. Die Erwartung ist klar: Jetzt muss geliefert werden. Doch genau hier zeigt sich ein zentraler Unterschied, der in Ausbildung und Studium oft zu wenig thematisiert wird.
1. Lernen ≠ Leistung: Ein weitverbreiteter Denkfehler
Der grösste Denkfehler in der Prüfungsphase ist die Annahme, dass es reicht, sich nur fachlich vorzubereiten. Lernen allein reicht nicht – weil Erfolg im Kopf beginnt.
Wer sich ausschliesslich mit Inhalten beschäftigt, vernachlässigt einen entscheidenden Faktor: die Fähigkeit, unter Druck handlungsfähig zu bleiben und das Gelernte bewusst abzurufen. Prüfungen sind keine Lern-, sondern Leistungssituationen. Und Leistung folgt eigenen mentalen Gesetzmässigkeiten.
2. Warum Wissen unter Druck nicht abrufbar ist
Wenn Studierende mir erklären, wie sie sich vorbereitet haben, wird oft schnell klar:Handelt es sich um ein Wissensproblem – oder um ein mentales Thema?
Nervosität, innere Unruhe oder Panik sorgen dafür, dass das Gehirn in einen Alarmmodus schaltet. Der Zugriff auf gespeichertes Wissen wird erschwert. Das Wissen ist nicht weg – es ist schlicht nicht erreichbar. Genau hier liegt der Unterschied zwischen guter Vorbereitung und abrufbarer Leistung.
3. Vom Lernmodus in den Leistungsmodus
Fokus halten trotz Prüfungsstress bedeutet, bewusst vom Lernmodus in den Leistungsmodus zu wechseln. Dieser Wechsel passiert nicht automatisch – er muss vorbereitet werden.
Mental im Leistungsmodus zu sein heisst:
sich gezielt auf die Prüfungssituation vorzubereiten
typische Stressmomente vorwegzunehmen
sich innerlich auf das Abrufen statt auf das Denken einzustellen
Wer diesen Wechsel nicht trainiert, bleibt gedanklich im Lernmodus stecken – und wundert sich, warum es in der Prüfung nicht funktioniert.
4. Mentale Steuerung: Spannung regulieren statt blockieren
Leistungsfähigkeit hängt stark vom Spannungsniveau ab. Zu wenig Spannung führt zu Gleichgültigkeit, zu viel Spannung zu Blockaden. Entscheidend ist die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Studierende, die ihre Bestleistung abrufen können, wissen:
Wann sie sich beruhigen müssen
Wann sie sich bewusst pushen dürfen
Was sie brauchen, um in ihren optimalen Leistungszustand zu kommen
Diese Fähigkeit ist kein Zufall – sie ist trainierbar.
5. Notfallpläne schaffen mentale Sicherheit
Viele Studierende haben Angst vor bestimmten Prüfungssituationen, ohne sich je konkret mit möglichen Lösungen beschäftigt zu haben. Genau hier entsteht Unsicherheit.
Ein mentaler Notfallplan beantwortet Fragen wie:
Was tue ich, wenn ich ein Blackout habe?
Wie reagiere ich, wenn Panik aufkommt?
Was hilft mir, wieder in die Aufgabe zurückzufinden?
Wer mögliche Hindernisse im Voraus durchdenkt, bleibt im Ernstfall lösungsorientiert – statt sich in der Angst zu verlieren.
6. Konkrete mentale Tools für die Prüfungsphase

Aus der Praxis bewährt haben sich insbesondere:
Visualisierung der Prüfungssituation: sich bewusst vorstellen, ruhig zu bleiben und lösungsorientiert zu handeln
Atemtechniken, um das Nervensystem zu beruhigen
Musik, gezielt eingesetzt zur Aktivierung oder Entspannung
Bewusster Verzicht darauf, kurz vor der Prüfung herausfinden zu wollen, was man alles nicht weiss
In den letzten 48 Stunden geht es nicht mehr ums Lernen, sondern um Erholung und Stabilität. Ausreichender Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und Pausen sind kein Luxus – sie sind leistungsrelevant.
7. Fazit
Nervosität gehört zur Prüfung dazu. Sie zeigt, dass es einem wichtig ist. Entscheidend ist nicht, ob man nervös ist, sondern wie man damit umgeht. Die Fähigkeit, die eigene mentale Steuerung im Griff zu haben, kann man lernen.
Reflexionsfrage zum Schluss:
👉 In welcher Situation verfällst du nie in Panik – und was hilft dir dort, handlungsfähig zu bleiben? Welche Elemente davon könntest du bewusst in deine Prüfungssituation übertragen?
Mentaltraining wirkt am besten, wenn man früh damit beginnt. Aber: besser spät als nie.
Wenn du lernen möchtest, wie du Fokus hältst, handlungsfähig bleibst und dein Wissen auch unter Druck abrufen kannst, dann melde dich gerne bei mir. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass Vorbereitung und Leistung zusammenfinden.




Kommentare