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Mentale Führung im Nachwuchssport: Was Trainer:innen und Eltern wirklich bewirken

Autorenbild: Barbara Meier
Barbara Meier
vor 46 Minuten
4 Min. Lesezeit
Mentale Führung im Nachwuchssport durch Trainer:innen und Eltern

Wochenende, Fussballplatz - Eltern stehen am Spielfeldrand, Trainer:innen coachen von der Seitenlinie, und die Emotionen sind schnell hoch. Genau in solchen Momenten zeigt sich für mich immer wieder, wie entscheidend die Rollenverteilung im Nachwuchssport ist.


Eltern fiebern mit, das gehört dazu. Sie freuen sich über ein Tor, ärgern sich über einen Fehler und leiden manchmal fast mit wie ihr Kind. Auch Trainer:innen sind emotional involviert. Schwierig wird es dort, wo aus Mitfiebern ständige Einflussnahme wird: taktische Zurufe von aussen, laut kommentierte Fehler, hochgeschaukelte Emotionen.


Was kommt dabei beim jungen Menschen an? Oft nicht mehr der eigene nächste Spielzug, sondern die Frage: Was wollte man mir gerade sagen? Genau dort beginnt für mich mentale Führung im Nachwuchssport.


Mentale Führung im Nachwuchssport: Wo Trainer:innen führen dürfen – und Eltern zurücktreten

Trainer:innen und Eltern haben unterschiedliche Rollen, und genau das ist wichtig. Trainer:innen dürfen führen: sportliche Orientierung geben, Taktik vermitteln, Ziele setzen. Eltern dürfen vor allem eines sein – Rückhalt. Unterstützung und Hilfsbereitschaft, wenn sie gefragt sind.


Das klingt einfach, ist es aber nicht immer. Wenn während eines Wettkampfs ständig Anweisungen von aussen kommen, verlieren Sportler:innen irgendwann die eigene Wahrnehmung. Ein junger Mensch kann nicht gleichzeitig das Spiel lesen, die eigene Leistung abrufen und mehrere zusätzliche Stimmen verarbeiten. Für mich bedeutet gute mentale Führung deshalb auch: wissen, wann ich etwas sage – und wann bewusst nichts.


Wie unterschiedlich Trainer:innen und Eltern dabei zusammenwirken können, habe ich bereits im Blog „Trainer:innen & Eltern als Schlüssel: Mentale Stärke im Nachwuchssport fördern" beschrieben. Auch der Beitrag „Mentale Führung im Sport: Was Trainer:innen von einem Tennismatch lernen können" passt gut dazu.


Selbstständigkeit beginnt beim Sportsack

Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen: Selbstständigkeit beginnt viel früher, als man denkt. Wenn ein Kind alt genug ist, eine Stunde selbstständig Sport zu treiben, ist es meistens auch alt genug, den eigenen Sportsack zu packen und selbst zum Training zu tragen – und danach wieder alles nach Hause zu bringen. Natürlich gibt es Ausnahmen.


Dasselbe gilt für Probleme. Ärgert sich mein Kind nach dem Training über eine Entscheidung des Trainers, darf ich zuhören und Verständnis zeigen. Ich muss aber nicht automatisch selbst beim Trainer anrufen. Ich kann mein Kind stattdessen darin unterstützen, das Gespräch selbst zu suchen. Schwierige Gespräche zu führen, ist eine Fähigkeit, die junge Menschen auch ausserhalb des Sports brauchen – und moderne Trainer:innen freuen sich in der Regel, wenn Sportler:innen mitdenken und nachfragen, solange daraus ein konstruktiver Austausch entsteht.


Wenn der Traum der Eltern grösser ist als der des Kindes

Ich erinnere mich an einen jungen Sportler, den ich eine Zeit lang begleitet habe. Es ging um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung, und sein Vater kam jeweils mit zu den Sitzungen. Schon früh hatte ich den Eindruck, dass der Ehrgeiz des Vaters grösser war als der des Jungen selbst. In dessen Gegenwart wirkte er häufig bedrückt. Im Coaching versuchte ich vor allem, sein Selbstvertrauen zu stärken.


Nach einigen Sitzungen wurde die Zusammenarbeit beendet. Erst später erfuhr ich, dass er mit dem Sport aufgehört hatte, weil ihm andere Dinge wichtiger geworden waren. Was genau dahintersteckte, weiss ich bis heute nicht – und das liess mich eine Frage lange begleiten: War das gerade der Traum des Kindes oder der Traum der Erwachsenen?


Leistungssport funktioniert auf Dauer nicht allein mit der Motivation der Eltern. Spätestens in der Pubertät zeigt sich, ob ein junger Mensch den Aufwand selbst tragen will. Eltern können Türen öffnen, ermutigen und auffangen – den Weg gehen müssen die Jugendlichen selbst.


Der Umgang mit Fehlern entscheidet mehr als das Resultat

Roger Federer hat in seiner Rede an der Dartmouth University 2024 einen Gedanken sehr eindrücklich beschrieben: Ein Punkt kann im Moment enorm wichtig sein. Ist er vorbei, ist er vorbei – entscheidend ist, wieder frei zu werden für den nächsten Punkt. Genau diese Haltung können wir Nachwuchs-Sportler:innen von klein auf mitgeben.


Trainer:in begleitet junge:n Sportler:in im Gespräch

Gewonnen oder verloren: Was ist passiert, was war gut, worauf bist du stolz, was möchtest du nächstes Mal anders machen – und was ist dein nächster Punkt? Ich wünschte mir, dass daraus früh ein kleines Ritual entsteht, nicht nur nach Niederlagen, auch nach Siegen. Denn wenn der Fokus immer nur auf dem Resultat liegt, lernen junge Sportler:innen schnell: Ich bin gut, wenn ich gewinne, und schlecht, wenn ich verliere. Rückt stattdessen die Leistung in den Mittelpunkt, entsteht etwas Wertvolleres: Selbstvertrauen und Eigenverantwortung.


Wie wichtig der Umgang mit Druck dabei ist, habe ich im Blog „Mentale Stärke fördern: Warum Druck selten Leistung bringt" vertieft.


Mentale Führung bedeutet Vertrauen

Gute mentale Führung im Nachwuchssport heisst für mich nicht, immer die richtige Antwort zu kennen. Sie bedeutet, jungen Menschen zuzutrauen, selbst Antworten zu finden. Eltern dürfen da sein, ohne alles zu übernehmen. Trainer:innen dürfen führen, ohne jeden Schritt vorzugeben. Und Nachwuchs-Sportler:innen dürfen Fehler machen, Fragen stellen und ihren eigenen Weg entwickeln.


Merkst du als Elternteil oder Trainer:in, dass dein:e Nachwuchs-Sportler:in mental an einem Punkt steht, an dem Unterstützung hilft? Im Starterpaket schauen wir gemeinsam hin, wo der junge Mensch aktuell steht und welche Form der Begleitung passt. Mehr dazu findest du auf mentalbereit.ch.

 
 
 

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Barbara Meier

Luzernerstrasse 6

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